Am Wochenende war ich Pflaumen pflücken und weil ich Kuchen so sehr liebe, habe ich daraus einen Kuchen gebacken.
Während ich die Pflaumen entkernte und in Stücke geschnitten habe, habe ich mir eine Folge vom Podcast „Hüben & Drüben“ angehört.
In der intuitiv gewählten Folge erzählte Claudia Cardinal (bei ihr mache ich meine Sterbeammen-Ausbildung) eine Geschichte von Jorge Bucay, die mich nicht mehr losgelassen hat. Ich verharrte im wahrsten Sinne des Wortes im Moment.
Nicht beim nächsten To-do.
Nicht bei der Arbeit.
Nicht bei dem, was ich noch erledigen sollte.
Ich war da.
Ich lebte ich bewusst.
Und diese Geschichte möchte ich mit dir teilen.
Inhalt
ToggleBewusst leben – eine Geschichte von Jorge Bucay
In der Geschichte reist ein Mann durch eine fremde Gegend. Er kommt an einen Friedhof und beginnt, die Grabsteine zu lesen.
Doch irgendwas ist seltsam.
Auf einem Stein steht:
„Lebte 5 Jahre, 3 Monate und 12 Tage.“
Auf einem anderen:
„Lebte 8 Jahre und 6 Monate.“
Und wieder auf einem anderen:
„Lebte 11 Jahre, 4 Monate und 9 Tage.“
Der Mann war geschockt.
Er glaubt, an einem Friedhof für Kinder angekommen zu sein. Was muss in diesem Dorf geschehen sein, dass hier so viele Menschen bereits nach wenigen Jahren gestorben sind?
Da kommt ein Einheimischer auf ihn zu und erklärt ihm, dass hier niemand jung gestorben sei.
In diesem Dorf bekommt jeder Mensch zu seinem fünfzehnten Geburtstag ein kleines Buch geschenkt.
Immer dann, wenn er einen Moment erlebt, in dem er sich wirklich lebendig, glücklich, erfüllt oder ganz bei sich fühlt, notiert er die Dauer dieses Augenblicks.
Das kann alles sein und ist sehr individuell.
Vielleicht ist es eine Stunde, in der er mit Freunden lacht.Einen Nachmittag am Meer.
Ein Gespräch, das sein Herz berührt.
Die Geburt eines Kindes.
Eine Umarmung.
Ein stiller Moment in der Natur.
Oder wie bei mir: Das Backen eines Pflaumenkuchens aus selbst gepflückten Früchten.
Wenn ein Mensch schließlich stirbt, werden all diese Zeiten zusammengerechnet.
Und nur diese Zahl kommt auf den Grabstein.
Denn für die Menschen dieses Dorfes ist nur das die wirklich gelebte Zeit.
Verstehst Du, warum mich diese Geschichte berührt hat?
Denn wenn ich ehrlich bin, verbringe ich viele Tage meines Lebens nicht wirklich bewusst.
Ich bin in Gedanken schon beim nächsten Schritt. Bei der nächsten Aufgabe. Oder ich hänge in Glaubenssätzen fest, die mir erzählen, dass etwas anders sein sollte.
Ich sollte produktiver sein.
Ich sollte weiter sein.
Ich sollte mich anders fühlen.
Vielleicht kennst du das auch.
Wir bewerten uns selbst. Bewerten unsere Tage. Bewerten unsere Gefühle.
Wir nennen einen Tag „gut“, wenn wir glücklich und motiviert waren.
Und einen anderen „schlecht“, wenn wir traurig, erschöpft oder orientierungslos waren.
Doch was wäre, wenn es gar keine guten und schlechten Tage gibt?
Was wäre, wenn es einfach nur Tage gibt, die gelebt werden wollen?
Tage voller Freude.
Tage voller Schmerz.
Tage voller Langeweile.
Tage voller Leichtigkeit.
Tage, an denen wir uns verlieren.
Und Tage, an denen wir wieder zu uns selbst finden.
Erinnern wir uns daran, dass bewusst leben nicht bedeutet, jeden Tag vor Freude zu tanzen.
Es bedeutet nicht, immer dankbar, positiv oder erfüllt zu sein.
Bewusst leben bedeutet, (einfach) da zu sein.
Ja zu sagen zu dem, was gerade ist und den Moment nicht sofort verändern zu wollen.
Sich selbst nicht ständig zu optimieren zu wollen.
Sondern sich zu fragen:
Wie geht es mir gerade wirklich?
Was ist da?
Kann ich mich für einen Augenblick so sein lassen, wie ich gerade bin?
Das Leben ist schnell vorbei.
Und gemessen an der gesamten Existenz der Menschheit ist unser Dasein nur ein winziger Augenblick.
Wäre es daher nicht schön, am Ende dieses Lebens auf viele bewusst gelebte Tage zurückzublicken?
Nicht auf perfekte Tage, sondern auf Tage, an denen wir wirklich da waren.
Für das Leben.
Für uns selbst.
Für alles, was war und ist.
So gäbe es gar keine schlechten und guten Tage mehr.
Es gäbe nur Tage, die bewusst gelebt werden wollen und vor allem dürfen.
Die Summe der bewussten Tage ist die, die am Ende wirklich zählt.
Das wäre doch wirklich schön oder?
Beginnen wir also JETZT!
PS: Die ganze Geschichte heißt „Der Suchende“ und ist in dem Buch „Geschichten zum Nachdenken“ enthalten.
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