Weiße Taube

Welche Bestattungsarten gibt es? Von modern bis verboten

Hast Du Dich schon einmal ernsthaft gefragt, was mit Deinem Körper passieren soll, wenn Du gestorben bist?

Eine Frage, die ich gar nicht so unwichtig finde.

Doch welche klassischen, modernen und neuen Bestattungsarten gibt es mittlerweile in Deutschland – und welche Möglichkeiten bestehen über die Landesgrenzen hinaus?

Gleichzeitig weiß ich, dass das Thema „meine eigene Bestattung“ bei den meisten Menschen eher Unbehagen auslöst als (Vor-)Freude oder Leichtigkeit. Also vermutlich genau das Gegenteil von dem, wonach wir Menschen so gerne streben.

So viel Freude wie möglich. So wenig Angst, Kummer und Sorgen wie möglich.

Und doch ist es genau die Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit, die das Leben als das erscheinen lässt, was es ist:

Ein endliches Hier-Sein.

Darauf folgt ein – vielleicht unendliches – Woanders-Sein.

Der leblose Körper bleibt hier.

Fragt sich nur: Wie und wo?

Als ich meine eigenen Bestattungswünsche aufgeschrieben habe, fühlte sich das alles andere als unheimlich an. Im Gegenteil.

Ich spürte eine Art Selbstbestimmung. Quasi einen klaren Blick auf die Realität.

Und irgendwie auch Ruhe.

In diesem Blogartikel bekommst Du einen Überblick darüber, welche Bestattungsarten es gibt – von den klassischen über neue und moderne Bestattungsformen bis hin zu Bestattungsarten, die in Deutschland noch verboten sind.

Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr soll er Dir Inspiration geben und vielleicht eine Tür öffnen, Dich mit Deinen eigenen Wünschen auseinanderzusetzen.

Besonders spannend finde ich, wie unterschiedlich Länder mit dem Tod umgehen. 

Deutschland gehört bei vielen Themen rund um Bestattungen zu den eher strengen Ländern. Vieles, was in Österreich, der Schweiz oder den Niederlanden längst möglich ist, zählt hier noch zu den verbotenen Bestattungsarten in Deutschland.

Wer weiß …

Vielleicht wird spätestens für Deinen Körper noch ein Umzug notwendig.

Bevor es kreativ wird, hier ein paar Grundlagen.

Bestattungspflicht – Muss man überhaupt beerdigt werden?

Ja.

In Deutschland besteht eine gesetzliche Bestattungspflicht.

Und damit verbunden in den meisten Bundesländern auch der sogenannte Friedhofszwang.

(Uff. „Pflicht“ und „Zwang“ schreien nicht unbedingt nach Freiheit und Individualität.)

Unsere Nachbarländer gehen mit diesem Thema teilweise deutlich entspannter um.

Doch auch in den Niederlanden, Österreich und der Schweiz besteht grundsätzlich eine Bestattungspflicht.

Der große Unterschied:

Nach einer Einäscherung muss die Asche dort häufig nicht zwingend auf einem Friedhof beigesetzt werden. Je nach Land bestehen deutlich mehr Möglichkeiten, die Asche an einem persönlichen Ort zu verstreuen oder sogar zuhause aufzubewahren.

Eines gilt jedoch überall:

Ein klassischer Sarg gehört auf einen Friedhof.

Wie schnell eine Beisetzung nach dem Tod erfolgen muss, unterscheidet sich wiederum je nach Land, Bundesland und der gewählten Bestattungsform.

Genau diese unterschiedlichen Möglichkeiten habe ich jetzt möglichst verständlich zusammengefasst.

Die klassische Erdbestattung

Die Erdbestattung gehört zu den ältesten Bestattungsarten in Deutschland.

Dabei wird die verstorbene Person in einem Sarg auf einem Friedhof in einem etwa zwei Meter tiefen Grab beigesetzt.

Auch wenn viele Menschen dabei sofort an traditionelle Beerdigungen denken, verändert sich diese Form der Bestattung zunehmend. Sie wird persönlicher, individueller und orientiert sich immer häufiger an den Wünschen der verstorbenen Person und ihrer Angehörigen.

Eine Besonderheit gibt es übrigens in Berlin.

Auf einigen Friedhöfen ist unter bestimmten Voraussetzungen auch eine sogenannte Tuchbestattung möglich.

Dabei wird die verstorbene Person nicht in einem Sarg, sondern in ein Leinentuch gehüllt beigesetzt.

Momentan ist das allerdings nur in Ausnahmefällen – beispielsweise aus religiösen Gründen – erlaubt.

Wer weiß, wie sich das in den kommenden Jahren noch entwickeln wird.

Neben der klassischen Erdbestattung gibt es inzwischen sogar eine völlig neue Form der Erdbestattung.

Die Reerdigung.

Die Reerdigung – eine neue und moderne Bestattungsart in Deutschland

Nicht Beerdigung, sondern Reerdigung.

Die Reerdigung ist eine neuen Bestattungsarten, die sich seit wenigen Jahren in Deutschland etabliert.

Ursprünglich stammt das Verfahren aus den USA.

Mittlerweile ist es auch in Deutschland zugelassen und ist sogar Vorreiter vor den Niederlanden, der Schweiz und Österreich.

Wie funktioniert eine Reerdigung?

Bei einer Reerdigung wird der Körper nicht direkt im Sarg beigesetzt.

Stattdessen wird er in einen speziellen Kokon gebettet und mit natürlichen Materialien wie Stroh, Heu und Blumen bedeckt.

Durch Wärme, Sauerstoff und Mikroorganismen beginnt dann ein natürlicher und gesteuerter Umwandlungsprozess.

Nach ungefähr 40 Tagen ist der Körper größtenteils in Erde umgewandelt. (Wahnsinn!)

Größere Knochenbestandteile bleiben allerdings erhalten und werden anschließend noch einmal separat vermahlen.

Die entstandene Erde und die mineralischen Knochenbestandteile werden anschließend vermischt, in ein biologisch abbaubares Tuch gehüllt und dann auf einem Friedhof beigesetzt. (Friedhofspflicht!)

Der eigentliche Verwesungsprozess findet also nicht über viele Jahre unter der Erde statt, sondern innerhalb weniger Wochen in diesem speziellen Kokon.

Falls Dich dieses Thema näher interessiert, findest Du hier bei Meine Erde ganz viele Infos dazu.

Feuerbestattung – eine moderne und beliebte Bestattungsart

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Ich habe ein bisschen recherchiert und nachgedacht und bringe es auf den Punkt:

Die Einäscherung

  • bietet mehr Möglichkeiten bei der späteren Beisetzung.
  • ist in der Regel günstiger als bei eine klassische Erdbestattung.
  • ist pflegeleichter, weil keine Grabpflege nötig ist.

Und: Eine Einäschrung schütz vor eckligen Vorstellungen:

„Ich möchte später nicht von Würmern und Maden aufgefressen werden.“

Kleine Anmerkung: In der Tiefe eines Grabes wird der Körper vor allem durch körpereigene Prozesse und Mikroorganismen zersetzt. Maden und Würmer kriechen dort nicht herum.

„Verbrannt werden“ – wie funktioniert das?

Was passiert bei einer Einäscherung?

Jede Einäscherung findet in einem dafür vorgesehenen Krematorium statt.

Der leblose Körper wird dabei in einem Sarg eingeäschert. Zurück bleiben vor allem mineralische Knochenbestandteile. Diese werden anschließend in einer sogenannten Aschemühle zerkleinert und in eine Aschekapsel gefüllt. Diese kommt dann in die Urne.

Interessant: Was allgemein als „Asche“ bezeichnet wird, besteht größtenteils eigentlich aus gemahlenen Knochenresten. Das organische Gewebe verbrennt nahezu vollständig.

Je nach Körperbau bleiben am Ende ungefähr zwei bis drei Kilogramm dieser mineralischen Überreste aka Asche zurück.

Ich finde das spannend. Denn irgendwie dachte ich wirklich, dass das wirklich Asche ist, was in die Urne kommt.

Nach der Einäscherung beginnt dann der Teil, bei dem die Unterschiede zwischen den Ländern besonders sichtbar werden.

Es stellt sich die Frage:

Wohin mit der Urne?

Oder sogar:

Wohin mit der Asche?

Wer darf die Urne aus dem Krematorium abholen?

In den meisten deutschen Bundesländern kann die Urne nicht einfach von Angehörigen abgeholt und mit nach Hause genommen werden.

In der Regel wird sie durch ein Bestattungsunternehmen oder einen anderen dazu berechtigten Dienstleister an den vorgesehenen Beisetzungsort gebracht.

Doch selbst bei diesem Thema bewegt sich etwas.

Bremen erlaubt bereits seit 2015 unter bestimmten Voraussetzungen, die Asche auf privatem oder öffentlichem Grund auszubringen. Entscheidend ist unter anderem, dass die verstorbene Person diesen Wunsch zu Lebzeiten schriftlich festgelegt hat.

Auch Rheinland-Pfalz hat sein Bestattungsrecht im September 2025 geöffnet. Dort können Menschen inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen bestimmen, dass ihre Urne privat aufbewahrt, die Asche außerhalb eines Friedhofs verstreut oder in ausgewählten Flüssen beigesetzt wird.

Deutschland wird also langsam lockerer.

Langsam. Aber immerhin.

Moderne Bestattungsformen nach einer Einäscherung

Nach einer Feuerbestattung gibt es einige – teils unerwartet schöne Möglichkeiten, die Urne beizusetzen.

Einige davon sind in Deutschland inzwischen als Bestattungsarten recht bekannt und oft gewünscht und umgesetzt.

Und dann gibt es Möglichkeiten, für die die Asche tatsächlich erst einmal über eine Landesgrenze hinaus reisen muss.

Beginnen wir mal mit den Bestattungsformen, die in Deutschland bereits recht verbreitet sind.

Waldbestattung – unter einem Baum zur Ruhe kommen

Die Waldbestattung gehört inzwischen zu den bekanntesten modernen Bestattungsformen in Deutschland.

Dabei wird die Asche in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Zum beispielsweise in einem FriedWald oder RuheForst.

Mein Onkel hat sich bereits vor seinem Tod für diese Art der Bestattung entschieden.

Seine letzte Ruhestätte befindet sich heute seit über 10 Jahren im FriedWald Hümmel.

Es erinnert eine kleine Namensplakette an einem Baum an ihn, umgeben von vielen anderen Bäumen und vielen anderen Namen.

Je nach Anbieter und gewähltem Baum kann die Grabstelle namentlich gekennzeichnet oder anonym bleiben. Eine aufwendige Grabpflege entfällt, weil der Wald selbst die Pflege und Gestaltung übernimmt 🙂

Rebstockbestattung – ein Platz zwischen Weinreben

Eine eher ungewöhnliche Form der Urnenbeisetzung ist die Rebstockbestattung.

Dabei wird die Urne auf einem dafür vorgesehenen Weinberg oder in der Nähe eines Rebstocks beigesetzt.

Seebestattung – Leben Ahoi!

Die Seebestattung gehört zu den bekannteren alternativen Bestattungsarten in Deutschland.

Dabei wird die Asche in einer wasserlöslichen Urne von einer spezialisierten Reederei zu einem dafür vorgesehenen Gebiet auf See gebracht.

Dort wird die Urne dann dem Meer übergeben. Sie sinkt auf den Meeresboden und löst sich mit der Zeit auf.

In Deutschland finden Seebestattungen in der Nord- und Ostsee statt. Je nach Wunsch können Angehörige die Fahrt begleiten oder die Beisetzung ohne Begleitung durchführen lassen.

Meine Freundin Claudia hatte sich für eine Seebestattung entschieden.

Das passte zu ihr. Nach ihrer Diagnose hatte sie ihre eigene Seebestattung mit einem Bestattungsunternehmen geplant 🙂

Flussbestattung – eine der neuen Bestattungsarten in Deutschland

Eine Flussbestattung war in Deutschland lange Zeit nicht möglich.

Mit dem neuen Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz hat sich das geändert.

Dort kann die Asche inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen in Rhein, Mosel, Lahn oder Saar beigesetzt werden. Die verstorbene Person muss diesen Wunsch aber vorher niedergeschrieben haben und muss selber in Rheinland-Pfalz gelebt haben.
(In Österreich ist es in der Donau möglich.)

Moderne Bestattungsformen im Ausland – wenn der Abschied noch individueller werden darf

Während sich die Bestattungsarten in Deutschland langsam verändern, sind einige Nachbarländer ein paar Schritte weiter.

Gerade nach einer Einäscherung eröffnen sich dort Möglichkeiten, die inDeutschland noch nicht oder nur sehr eingeschränkt erlaubt sind.

Einige davon finde ich persönlich mega schön – meine Favorit befindet sich auch darunter 🙂

Naturbestattung auf Alm- und Bergwiesen

In Österreich gibt es mittlerweile Naturbestattungsplätze auf Alm- oder Bergwiesen.

Dort wird die biologisch abbaubare Urne mit der „Asche“ an einem dafür vorgesehenen Ort der Natur übergeben.

Anstelle klassischer Grabreihen sieht man Berggipfel, Wildblumenwiesen und den Himmel.

Mehr darüber findest Du hier bei PaxNatura.

Die Asche direkt der Natur zurückgeben

Noch einen Schritt weiter geht die Schweiz.

Dort darf die Asche – je nach Kanton und unter Einhaltung der jeweiligen Vorschriften – teilweise sogar ohne Urne der Natur übergeben werden. Dafür gibt es auch dort spezielle Wiesen oder andere Flächen.

Luftbestattung

Eine weitere Möglichkeit, die in der Schweiz erlaubt ist, ist die Luftbestattung.

Dabei wird die Asche aus einem Helikopter oder Flugzeug über einer zuvor festgelegten Landschaft verstreut.

Exklusiv und modern – die Diamantbestattung

Irre oder?

Vorweg: Eine Diamantbestattung ersetzt keine andere Form der Bestattung.

Vielmehr ist sie ein besonderes Extra.

Nach der Einäscherung wird dafür ein kleiner Teil der Asche – etwa 200 Gramm – an ein darauf spezialisiertes Unternehmen übergeben.

Dort entsteht unter hohem Druck und hoher Temperatur ein Erinnerungsdiamant.

Wer diesen Diamanten später erhält, kann bereits zu Lebzeiten festgelegt oder später entschieden werden. (Wenn das mal keinen Streit gibt!)

Der übrige Teil der Asche muss dabei trotzdem auf eine der zuvor beschriebenen Arten beigesetzt werden.

Aktuell zählt die Diamantbestattung noch zu den verbotenen Bestattungsarten in Deutschland, wird aber über Bestattungsunternehmen ermöglicht.

Nach der Einäscherung wird die benötigte Aschemenge dann über das Bestattungsunternemen in die Schweiz oder in ein anderes Land gebracht, in dem diese Form der Erinnerung erlaubt ist und dort in einem feinen Diamanten verwandelt.

BaumFrieden – wenn aus Asche neues Leben wächst

Bei dieser recht neuen und modernen Bestattungsart wird die Asche einer verstorbenen Person in den Niederlanden mit Erde vermischt.

Anschließend wird ein junger Baum darin eingepflanzt.
Das kann sogar in einer kleinen Zeremonie stattfinden, bei der Freunde und Angehörige dabei sein dürfen.

Der Baum bleibt anschließend für etwa vier bis neun Monate in den Niederlanden bei BaumFrieden, um zu wachsen.

Der wachsenden Baum kann dort jederzeit besucht werden.

Sobald er dann kräftig genug ist, wird er im Frühjahr oder Sommer ausgeliefert, um an einem gewünschten Ort eingepflanzt zu werden. Zum Beispiel im Garten.

Anschließend kann er an einem Ort eingepflanzt werden, der für die Familie eine besondere Bedeutung hat – sogar im eigenen Garten in Deutschland.

Darf man die Asche mit nach Hause nehmen?

Die Antwort lautet:

In Deutschland grundsätzlich nein.

Hier gilt nach wie vor der sogenannte Friedhofszwang.

Das bedeutet, dass die Asche einer verstorbenen Person normalerweise nicht zuhause aufbewahrt werden darf. Jedoch bilden hier wie schon erwähnt Bremen und Rheinland-Pflaz die Vorreiter-Ausnahmen 😉

Unsere Nachbarländer gehen sogar noch einen Schritt weiter.

In Österreich darf die Urne – sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind – zuhause aufbewahrt oder im eigenen Garten beigesetzt werden.

Und welche Bestattungsart passt zu Dir?

Ich finde dieses Thema unglaublich spannend. Vor allem wenn ich sehe, wie viele Möglichkeiten es gibt, wenn wir über den Tellerrand schauen.

Ich wünsche mir, dass Du in dem Artikel ein wenig Inspiration, Motivation und auch Mut gefunden hast, Deiner eigenen Endlichkeit aufs Neue in die Augen zu schauen.

Wenn Du Dich gerne austauschen möchtest, melde Dich gerne bei mir via Mail an hallo@anneisaac.de .

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