Wenn ein Mensch gerade im Sterben liegt, stellen sich andere Fragen als nach Eintritt des Todes. In diesem Artikel geht es darum, was zu tun ist, wenn jemand gestorben ist.
Klar ist: Dann kommt viel zusammen. Emotionalität, einige Fragen und einige Steps, die beachtet und erledigt werden müssen.
Ich finde das Thema mindestens genauso wichtig und interessant wie all die Phasen vorab. Darum habe ich mich damit einmal genauer beschäftigt und meine eigenen Fragezeichen geklärt – ich wünsche mir, dass auch Du Sicherheit und einen Fahrplan für den Fall der Fälle findest.
Wichtig vorab: Ich bin keine Juristin und dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen basieren auf meiner eigenen Erfahrung und Recherche. Gerade gesetzliche Regelungen können sich unterscheiden und ändern. Im Zweifel solltest Du Dich deshalb immer beim zuständigen Amt, einem Arzt oder einer Ärztin oder einem Bestattungsunternehmen informieren.
Inhalt
ToggleIst der Mensch zuhause gestorben?
Wenn ein Mensch zuhause stirbt, darf ein Moment der Stille einkehren. Das Unfassbare – vielleicht Erwartete, doch dennoch Überwältigende – darf realisiert werden.
Nach einem Moment der Ruhe sollte dann der zuständige Arzt oder die zuständige Ärztin benachrichtigt werden.
Das heißt nicht, dass er oder sie direkt kommt. Ich selber habe es so erlebt, dass bei dem vorhersehbaren Tod meiner Freundin die Ärztin direkt am nächsten Morgen gekommen ist.
Natürlich kann es auch sein, dass der Tod vollkommen unerwartet eintritt. Durch einen Unfall zum Beispiel.
Dann sollte direkt der Rettungsdienst gerufen werden, um den Tod festzustellen – vielleicht ist eine Wiederbelebung sogar noch möglich (wenn erwünscht). Gut zu wissen ist, dass ein Notarzt nicht dazu verpflichtet ist, nach Feststellung des Todes den Tod offiziell zu beurkunden. Dazu kann er oder sie einen Kollegen kontaktieren, sodass er schnellstmöglich wieder für weitere Notfalleinsätze verfügbar ist.
In dem Fall, dass ein Mensch im Krankenhaus oder einem Heim verstirbt, sind Ärzte meistens in der Nähe und können den Tod feststellen oder weitere Maßnahmen einleiten. Das Personal der Einrichtung ist dann zuständig.
Wer stellt den Tod fest?
Auch wenn Du Dir bereits sehr sicher bist, dass der Mensch verstorben ist, muss der Tod offiziell und medizinisch durch eine Leichenschau festgestellt werden.
Was ist die Leichenschau?
Bei einer Leichenschau wird der Körper genau untersucht.
Wichtige Merkmale sind zum Beispiel die Totenflecken und die Leichenstarre.
Durch diese Merkmale kann ungefähr nachvollzogen werden, wann der Tod eingetreten ist.
Danach stellt der Arzt oder die Ärztin die Todesbescheinigung aus.
Was ist die Todesbescheinigung bzw. der Totenschein?
Nach der Leichenschau stellt der Arzt die Todesbescheinigung aus. Umgangssprachlich wird sie auch gerne Totenschein genannt. Das ist ein ärztliches Dokument.
Darin stehen unter anderem persönliche Angaben und medizinische Informationen zum Tod. Je nach Bundesland unterscheiden sich Aufbau und Inhalt etwas.
Wichtig ist, dass darin auch die Todesursache dokumentiert wird.
In vielen Fällen ist diese klar, zum Beispiel nach einer todbringenden Erkrankung oder einem Unfall.
Wenn die Todesart unklar ist oder es Hinweise auf einen nicht natürlichen Tod (ungeklärte Todesursache oder auch beim inzwischen auch in Deutschland legalen assistierten Suizid) gibt, müssen Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden. Das macht dann der Arzt oder die Ärztin.
Die verstorbene Person kann dann nicht einfach wie bei einem erwarteten natürlichen Tod vom Bestatter übernommen und alles Weitere organisiert werden.
Damit ein Bestatter überhaupt eine verstorbene Person „übernehmen“ darf, ist die Todesbescheinigung zwingend erforderlich.
Außerdem kann ohne die Todesbescheinigung die Sterbeurkunde beim Standesamt nicht ausgestellt werden.
Was ist die Sterbeurkunde?
Anfang und Ende eines Lebens werden beim Standesamt beurkundet. Zum Beginn des Lebens wird die Geburtsurkunde ausgestellt und zum Ende des Lebens die Sterbeurkunde. Dazu wird der Tod im Sterberegister festgehalten.
Der Mensch ist offiziell nicht mehr da. Das Leben ist gelebt.
Diese Sterbeurkunde brauchst Du, brauchen Angehörige oder der Bestatter später beispielsweise für Nachlassangelegenheiten, Banken, Versicherungen oder andere Vertrags- und Behördenangelegenheiten.
Was schön ist: Du oder andere Angehörige müssen sich in dieser intensiven Zeit nicht unbedingt selber um die Sterbeurkunde kümmern. Sehr oft übernehmen Bestatter die Anzeige des Sterbefalls beim Standesamt , wenn das so gewünscht wird.
Ebenso schön finde ich es, dass nach der Leichenschau noch einmal Zeit besteht, um sich von der verstorbenen Person zu verabschieden.
Muss sofort ein Bestatter gerufen werden?
Natürlich sind Bestatter rund um die Uhr erreichbar. Das heißt aber nicht, dass sie direkt kontaktiert werden müssen.
Ich glaube, vielen Menschen ist das gar nicht bewusst.
Häufig habe ich es selbst im privaten Umfeld erlebt, dass unmittelbar nach dem Tod ein Bestatter angerufen wurde.
Der Bestatter sollte zwar zeitnah kontaktiert werden, aber die verstorbene Person muss nicht in jedem Fall unmittelbar abgeholt werden. In vielen Bundesländern ist eine Aufbahrung zuhause bis zu etwa 36 Stunden möglich; die genauen Regeln unterscheiden sich allerdings nach Bundesland.
Aufbahrung zuhause – ja oder nein?
Ob, wie lange und wie eine Aufbahrung zuhause stattfinden soll, ist super individuell.
Mir persönlich gefällt dieser Gedanke sehr. Egal, ob es sich dabei um einen mir nahen Menschen handelt oder auch, wenn ich selber einmal die Verstorbene bin.
Vor gar nicht allzu langer Zeit, als Bestattungsunternehmen mehr reine Dienstleister waren als heute oft empathische, auf Trauer und Aufbahrung spezialisierte Unternehmen und Berater/Ermöglicher individueller Bestattungen, war eine Aufbahrung zuhause sogar üblich.
Nachbarn kamen vorbei, Familie und Freunde hatten Zeit, sich in Ruhe und persönlich zu verabschieden.
Vielen Menschen heute ist nicht bewusst, was eine Aufbahrung genau ist, wie schön sie gestaltet sein kann und wie wertvoll sie ist, um den Abschied zu gestalten, den Trauerprozess zu verarbeiten und den Tod zu begreifen.
Dabei ist es zum Beispiel wichtig, den verstorbenen Menschen zu berühren, Unausgesprochenes mitzuteilen. Den Gefühlen Raum zu geben. Es darf gelacht, geweint und manchmal sogar geschimpft werden.
Wir sind es heute ja gewohnt, dass alles schnell gehen muss. Dabei ist das eingetretene Ende eines Lebens doch ein schöner Grund, das Tempo für einen Moment herauszunehmen und das Leben als das, was es ist und war, zu würdigen.
Offene versus geschlossene Aufbahrung
Wenn ein Mensch zuhause aufgebahrt wird, ist das in der Regel eine offene Aufbahrung.
Das heißt, der oder die Verstorbene wurde ein letztes Mal gepflegt und ggf. in Wunschkleidung gekleidet.
Sie liegt in ihrem Bett. Der Raum ist der Situation entsprechend gestaltet. Zum Beispiel mit Kerzen, Blumen, Lieblingsmusik …
Das ist ganz individuell. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.
Eine andere Art der offenen Aufbahrung ist die Aufbahrung in einem speziellen Raum bei einem Bestatter. Nach der Abholung zuhause kümmert sich das Bestattungsteam um den verstorbenen Körper, wäscht ihn, kleidet ihn ein und legt ihn in den Sarg. Dieser bleibt dann offen, um all denjenigen, die sich gerne noch einmal verabschieden wollen, den Menschen berühren oder realisieren wollen, dass er tot ist, genau das zu ermöglichen.
Eine geschlossene Aufbahrung heißt, dass der oder die Verstorbene im geschlossenen Sarg liegt. Ein Berühren ist dann nicht mehr möglich. Eine körperliche Nähe kann dennoch spürbar sein.
Ich weiß, dass viele Menschen Angst davor haben, einen toten Menschen zu sehen, zu berühren oder ganz einfach in seiner Nähe zu sein. Das (eigene) Lebensende wird so greifbar. Die Endlichkeit liegt in menschlicher Gestalt vor einem. Als ich meine erste Leiche gesehen habe, war mir auch mulmig.
Kleiner persönlicher Exkurs: Während meines einjährigen Praktikums in einem Krankenhaus mit 15 Jahren habe ich gefragt, ob ich denn auch mal eine Leiche sehen kann. Mich hat das einfach interessiert. Ein Pfleger ist mit mir in die „Leichenhalle“ des Krankenhauses gegangen. Auf silbernen Tischen lagen mehrere tote Menschen, mit weißen Tüchern bedeckt. An den Zehen war ein Namensschild. Es war still und kalt. Dann durfte ich ein Tuch zur Seite klappen, das Gesicht freilegen. Das war krass für mich.
Ich sah eine alte, unbekannte Frau. Sie war tot. Richtig tot.
Ich glaube, ich war dann zunächst ganz froh, wieder aus der Leichenhalle herauszugehen. 😉
Dennoch glaube ich heute, dass gerade das Sehen und vielleicht auch Berühren eines verstorbenen Menschen unglaublich heilsam und wichtig für den Trauerprozess sein kann. Der Tod wird dadurch real. Der Mensch ist wirklich tot. Und genau dieses Begreifen kann ein wichtiger Teil des Abschieds sein.
Wie lange darf ein Verstorbener zuhause bleiben?
Das ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. In vielen Bundesländern muss eine verstorbene Person innerhalb von 36 Stunden in eine Leichenhalle beziehungsweise einen Aufbewahrungsraum/eine Kühlung überführt werden.
Aber es gibt Ausnahmen: In Brandenburg und Sachsen gelten beispielsweise kürzere Fristen (24 Stunden), in Thüringen eine längere (48 Stunden).
Auch Ausnahmen im Einzelfall können möglich sein. Ich habe es zum Beispiel im Bekanntenkreis einmal erlebt, dass der verstorbene Partner fünf Tage zuhause aufgebahrt wurde. Dazu musste er jedoch auf eine Art Kühlmatte gelegt werden.
Bei so einem Wunsch kann der Bestatter helfen und „Unmögliches“ bestenfalls möglich machen. In jedem Fall muss dafür die Ordnungsbehörde zustimmen.
Wie schnell muss eine Beerdigung stattfinden?
Auch hier gibt es (natürlich) gesetzliche Fristen, die sich je nach Bundesland unterscheiden.
(Hilfreich für alles rund um jegliche Fristen und Fakten: Die Bestattungsgesetze der Bundesländer)
In Nordrhein-Westfalen gilt zum Beispiel: Eine Erdbestattung darf grundsätzlich frühestens 24 Stunden nach dem Tod stattfinden.
Gleichzeitig darf man sich nicht unbegrenzt Zeit lassen, denn innerhalb von zehn Tagen muss die verstorbene Person entweder erdbestattet oder eingeäschert werden.
Nach einer Einäscherung muss die Asche dann innerhalb von sechs Wochen beigesetzt werden.
Ausnahmen sind aber auch hier möglich. Die Ordnungsbehörde kann die Fristen auf Antrag verlängern. Zum Beispiel, wenn es organisatorische oder andere besondere Gründe gibt.
Bevor eine Bestattung stattfinden darf, müssen außerdem die notwendigen Formalitäten erledigt sein: Die Todesbescheinigung muss ausgestellt und der Sterbefall muss beim Standesamt eingetragen sein.
Welche Dokumente werden benötigt?
Nach einem Todesfall werden verschiedene Unterlagen benötigt. Welche genau, hängt vor allem vom Familienstand der verstorbenen Person ab.
Für den Totenschein benötigt der Arzt oder die Ärztin (so habe ich es zumindest erlebt) den Personalausweis.
Für die Sterbeurkunde beim Standesamt werden dann weitere Unterlagen benötigt:
- Personalausweis oder Reisepass
- bei Ledigen: Geburtsurkunde
- bei Verheirateten: Eheurkunde
- bei Geschiedenen: zusätzlich Nachweis über die Scheidung
- bei Verwitweten: zusätzlich Sterbeurkunde des verstorbenen Ehepartners
Damit kann das zuständige Standesamt die Sterbeurkunde ausstellen.
Interessant: Zuständig ist das Standesamt am Sterbeort, nicht unbedingt am Wohnort. Häufig übernimmt der Bestatter diese notwendigen Behördengänge.
Und: Es ist sinnvoll, mehrere Sterbeurkunden zu bestellen, da sie später beispielsweise für Versicherungen, Banken, Renten- oder Nachlassangelegenheiten benötigt werden können. Wie viele Exemplare sinnvoll sind, hängt vom Einzelfall ab. Auch da weiß ein Bestatter oft ganz gut Bescheid.
Was muss ich beim Bestatter entscheiden?
Wenn die ersten Formalitäten geklärt sind, geht es an die Gestaltung der Bestattung. Dabei kommen ziemlich viele Entscheidungen auf einmal auf Dich oder andere Angehörige zu.
Soll es eine Erd- oder Feuerbestattung werden? Wo soll die verstorbene Person beigesetzt werden? Welcher Sarg oder welche Urne passt? Soll es eine Aufbahrung geben? Eine klassische Trauerfeier oder vielleicht einen ganz anderen Abschied?
Auch die kleinen Dinge sind oft sehr persönlich: Welche Kleidung soll der verstorbene Mensch tragen? Welche Musik wird gespielt? Welche Blumen passen? Wer hält die Trauerrede und wer soll überhaupt in die Gestaltung des Abschieds einbezogen werden?
Wenn die verstorbene Person ihre Wünsche vorher festgehalten hat, ist vieles natürlich leichter. Falls nicht, könnt Ihr gemeinsam überlegen:
Was hätte zu diesem Menschen gepasst?
Ich höre immer wieder, dass gerade die Mitgestaltung der Bestattung für Angehörige sehr heilsam sein kann. Man muss nicht einfach nur danebenstehen und alles abgeben, sondern kann selbst etwas tun.
Zum Beispiel Kleidung aussuchen, Blumen mitbringen, eine Playlist erstellen, den Sarg gestalten oder bemalen, eine Trauerrede selbst halten, Essen vorbereiten oder die Abschiedsfeier mitgestalten. Je nach Bestatter und Situation ist es teilweise auch möglich, bei der Versorgung oder beim Abschied vom verstorbenen Menschen selbst beteiligt zu sein.
Dieses aktive Tun kann helfen, die eigene Selbstwirksamkeit in der Trauer zu spüren: Ich kann noch etwas für diesen Menschen tun. Ich kann diesen Abschied mitgestalten. Ich bin der Situation nicht komplett ausgeliefert.
Und nein: Der Bestatter muss nicht automatisch alles übernehmen. Ein guter Bestatter sollte Dir auch zeigen, was Du selbst machen kannst und wo Du Dich einbringen möchtest.
Bei der Bestattungsform gibt es inzwischen übrigens deutlich mehr Möglichkeiten als nur die klassische Erd- oder Urnenbestattung auf dem Friedhof. In meinem Artikel „Welche Bestattungsarten gibt es? Von klassisch bis modern“ stelle ich Dir die verschiedenen Möglichkeiten ausführlich vor.
Was hilft in den ersten Stunden nach dem Tod?
Ich glaube, gerade in den ersten Stunden entsteht schnell das Gefühl: Jetzt muss ich funktionieren.
So habe ich zum Beispiel kurz, nachdem Claudia tot war, gespült. Schließlich kamen ihre Eltern und es sollte ordentlich in der Küche sein. Das war skurril. Ich fragte mich: Was tue ich?
Ich glaube, ich war da kein Sonderfall. Der Schock sitzt, auch wenn es vorhersehbar war. Der Körper will funktionieren. Bloß keine Trauer spüren – lieber weitermachen:
Arzt anrufen. Bestatter suchen. Familie informieren. Irgendwelche Unterlagen zusammensuchen. Entscheidungen treffen, obwohl der Kopf eigentlich gerade überhaupt nicht in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen.
Heute sehe ich das anders: Wenn es die Situation erlaubt, muss nach dem Tod nicht sofort alles passieren.
Vielleicht darfst Du erst einmal sitzen bleiben.
Den Menschen anschauen. Seine Hand halten. Ihn berühren, wenn sich das für Dich richtig anfühlt. Vielleicht noch jemanden anrufen, der ebenfalls Abschied nehmen möchte. Musik anmachen. Oder einfach gar nichts machen.
Der Tod läuft nicht weg.
Und der verstorbene Mensch muss auch nicht automatisch innerhalb der nächsten halben Stunde aus dem Raum verschwinden, nur weil wir gelernt haben, dass es jetzt irgendwie „weitergehen“ muss.
Gerade diese Zeit kann später unglaublich wertvoll sein. Noch einmal wirklich zu begreifen: Dieser Mensch ist gestorben. Er ist noch hier – und gleichzeitig nicht mehr.
Was ich wichtig finde: Nicht alles sofort wegorganisieren, nur weil Unsicherheit unangenehm ist. Wenn es möglich ist, gib Dir und den anderen Menschen ein bisschen Zeit, bevor der Bestatter kommt und der nächste organisatorische Schritt beginnt.
Denn diese ersten Stunden bekommst Du nicht zurück.
Ich hoffe, Du konntest hier Antworten auf Fragen finden, die Du Dir vorher vielleicht noch gar nicht gestellt hattest.
Der Tod ist etwas ganz normales. Wenn wir vorab schon einiges wissen, wird es in der akuten Situation vielleicht viel leichter.
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